Israelitische Kultusgemeinde Amberg | Geschichte
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bei der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg

 

Nach der Vertreibung der Juden 1391 aus der Pfalz am Rhein und der Pfalz heroben in Bayern sollten nie mehr Juden der pfälzischen Ländern siedeln. Erst nach 470 Jahren, mit Aufhebung des sog. Matrikelparagraphen 1861, wurde ihnen dies erlaubt. Die ersten Juden kamen aus dem benachbarten Sulzbach nach Amberg, betätigten sich hier überwiegend als Händler und gründeten 1894 eine Gemeinde. Zwei Jahre später gelang es der Gemeinde mit großzügiger Unterstützung von Baronin Clara von Hirsch auf Gereuth zwei Häuser in der Salzgasse zu kaufen und die Synagoge wie auch drei Wohnungen einzurichten. Die Gemeinde hatte damals 100 Mitglieder, sie zählte zu den ärmsten Gemeinden Bayerns.

 

Soweit das Geschehen rückverfolgt werden kann, war Antisemitismus bis Ende des Ersten Weltkrieges eine Unbekannte. Dieser etablierte sich zu Beginn der 1920er Jahre in bürgerlichen Kreisen. Meist waren es die Konkurrenten ansässiger jüdischer Händler. Er erreichte seinen Höhepunkt mit Eröffnung des ersten Vollsortimenters (Kaufhauses), ERWEGE, Ende 1931, gegen den Willen der Arbeiter und Bauern. Diese befürworteten die günstige Einkaufsquelle.

 

Verglichen zur Oberpfalz und dem restlichen Bayern hatten die Nationalsozialisten bei den Wahlen in Amberg das Nachsehen – der Entwicklung konnte jedoch nicht Einhalt geboten werden. Amberg hatte 1933 83 Mitbürger jüdischer Abstammung. Die Entwicklung bis zur Deportation 1942 verlief gleich der in anderen Städten, jedoch mit weniger Brutalität. Letzteres belegen z.B. bis 1937 gestiegene Umsatzzahlen und Gewinne jüdischer Geschäfte trotz angeordnetem Boykott. Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht 1938 geschändet, blieb jedoch in der Bausubstanz erhalten. Die in Amberg verbliebenen Juden wurden im Frühjahr 1942 in das Arbeitslager Piaski bei Lublin und in das „Altersheim“ Theresienstadt deportiert. Die Nationalsozialisten brachten 30 Amberger Juden um und trieben drei weitere in den Tod. Klara Lorsch kam als einzige nach dem Krieg schwerkrank aus Theresienstadt nach Amberg zurück († 1953).

 

Mit den Displaced Persons (DPs) kam nach Kriegsende wieder Leben in die Gemeinde. Rabbiner Natan Zanger war der „Motor“ der Gemeinde, sorgte für Wohnraum, koscheres Essen, eine Mikwe und kulturelles Leben für etwa 500 Juden, meist polnischer Abstammung. Der Niedergang dieser Gemeinde begann mit Öffnung der Grenzen von Palästina und den USA, in den 1950er Jahren war die Gemeinde kaum noch lebensfähig.

 

Mit Öffnung der Grenzen kamen ab 1991 die sog. Kontingentjuden aus den GUS-Staaten. Obwohl viele bereits wieder in Großstädte abgewandert sind, bilden diese heute das Rückgrat der Gemeinde. Betreut wird diese seit 2014 (???) von Rabbiner Elias Dray, einem gebürtigen Amberger. Neben Abhaltung von Gottesdiensten, der Gestaltung religiöser Feste, erteilt der Rabbiner auch Hebräischunterricht und bereichert das Gemeindeleben mit kulturellen Angeboten.